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Franziska Ambacher
Persönlichkeits- und Business-Coach
Changemanagement-Consultant
Mediatorin
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11.04.2017

Beruflich auf der Stelle treten - Wiederentdeckung der eigenen Persönlichkeit

Der Nachholbedarf des Einzelnen ist enorm. Immer öfters zeigt sich, dass der Mensch sich selbst nicht wirklich gut kennt und daher völlig orientierungslos nach einem sinnvollen und zu ihm passenden Beruf sucht. Die daraus entstehenden inneren und äußeren Krisen sind längst sichtbar.

Vor Kurzem hat mich ein in der Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienener Artikel mit dem Titel „Jobwechsel - kündigen oder bleiben?“ sehr beschäftigt.

Als Impulsgeberin begleite ich meine Kunden bei persönlichen und beruflichen Veränderungen. Dabei mache ich insbesondere bei dem Thema Jobwechsel eine beängstigende Beobachtung:

  • Der berufliche Wandel ist nicht nur äußerst herausfordernd,
  • er steckt auch noch voller verpasster Gelegenheiten.

Immer mehr Menschen haben ihre eigene Persönlichkeit, ihre Werte, das Wissen um die eigenen Stärken und Talente irgendwo auf dem Weg von gut gemeinten Ratschlägen anderer verloren. Häufig bestimmt der soziale Kontext das eigene Leben. Auf diese Weise verliert man langsam, aber ganz sicher die Verbindung zum eigenen Selbst. Heute löst diese Tatsache große innere und äußere Identitätskrisen aus, weil Menschen auf der Stelle treten und nicht mehr wissen, was richtig und was falsch ist.

Berufswahl und Persönlichkeit gehen selten Hand in Hand

Beim Thema Jobwechsel fragt man sich selbst erst einmal, ob man eigentlich damals, als es darum ging, welche Ausbildung bzw. welches Studium ansteht, diese Entscheidung auf Basis der eigenen Neigungen und Interessen getroffen hat?

In unzähligen Gesprächen hat man mir Gegenteiliges berichtet: Menschen unterschiedlichster Couleur erzählen, wie wenig die ursprüngliche Berufswahl mit der eigentlichen Persönlichkeit zu tun hatte. Die Eltern entscheiden häufig, in welche Richtung sich der junge Mensch entwickeln soll. Dabei wird selten auf die wahre Persönlichkeit des Kindes eingegangen. Auf diese subtile Weise werden ein devotes Anpassungsverhalten und eine ungesunde Opferbereitschaft des Heranwachsenden zementiert. Eingeschüchtert und misstrauisch unseren eigenen Empfindungen gegenüber, lassen wir den Zug der beruflichen Entwicklung einfach an uns vorbeirauschen und verpassen die besten Gelegenheiten uns auf dieser Reise selbst besser kennen zu lernen.

Die Persönlichkeit im Paralleluniversum geparkt

Da gibt es beispielsweise die höchst kreativ talentierte Frau, die schon als Jugendliche diverse Mode- und Handarbeitswettbewerbe für sich entschied, die aber entgegen ihrer Fähigkeiten von ihren Eltern geradewegs im Steuerbüro geparkt wurde. Schließlich braucht das Kind „was Sicheres“ und „von Mode und Handarbeit kann sowieso kein Mensch leben“. Da schnell klar war, dass dieser aufoktroyierte Weg nicht die persönliche Erfüllung bringt, begann die sprichwörtliche Odyssee durch diverse Branchen, Anstellungsverhältnisse bis hin zum Selbständig sein. Schließlich wollte sie nicht ein Leben lang unter ihren Möglichkeiten bleiben. Dabei verlor diese viel Energie für ihren beruflichen Fokus, weil persönlich das schlechte Gewissen gegenüber den Eltern immer wieder an der Türe anklopfte.

Oder der tüftelnde Rechtsanwalt, der nur deshalb Jura studierte, weil sein Vater schon früh den Nachwuchs für die eigene Kanzlei im hoch wohl geborenen Sohn sah und dabei nicht im Ansatz darüber nachdenken wollte, ob dies überhaupt im Sinne seines technikbegeisterten Stammhalters sei: "Die Kanzlei ist mein Lebenswerk, dass du einmal weiterführen sollst. Ich hab das doch alles nur für dich getan". Heute erledigt dieser – mehr schlecht als recht – in stillem Gehorsam die anfallenden Aufgaben. Dass jedoch die vom Vater übertragene Kanzlei nicht mehr an den alten Glanz anknüpfen kann und wenig profitabel ist, schreit geradezu nach Konsequenzen. Selbst jetzt als Erwachsener, der Probleme bewusst werdend, fällt es dem Sohn extrem schwer, sich innerlich von seinem Vater zu lösen und sein Leben von Grund auf zu verändern. Ohne aktive Persönlichkeitsentwicklung werden die ausgetretenen Pfade nicht verlassen werden können.

Die eigene Biografie liefert hilfreiche Erkenntnisse

Immer mehr Menschen in ihrer Lebensmitte stellen fest, dass sie sich genau von jenen haben gängeln lassen, die selbst häufig ein sehr begrenztes und unglückliches Leben führten, dabei aber stets behaupteten, genau zu wissen, was gut und was schlecht für die berufliche Entwicklung ihrer Kinder sei. Zur eigenverantwortlichen Identität zurück zu finden, bedeutet demnach, die eigene Persönlichkeit wieder zu entdecken.

Ich selbst habe auch lange gebraucht, den richtigen Berufsweg für mich zu finden. Nur durch die Beschäftigung mit den eigenen Werten und Krisen im Leben, bin ich auf die wirklich effektiven Zusammenhänge zwischen Erfolgs- und Erfolgsverhinderungs-Muster gestoßen. Deshalb ist es mir heute ein sehr großes Bedürfnis meine nach Orientierung suchenden Kunden nicht im Regen stehen zu lassen. Schließlich müssen die gleichen Fehler oder unnötigen Umwege nicht von jedem erneut gemacht werden.

Wenn Betroffene jedoch wider das eigene Empfinden nichts an ihrer eingefahrenen Situation verändern, macht sich zwangsläufig großer Frust breit, von der demotivierten Haltung zum derzeitigen Job gar nicht erst zu reden.

Arbeitszeit ist Lebenszeit. Zeit also, die Dinge anzugehen, sowohl auf Seiten des Angestellten als auch auf Seiten des Arbeitgebers. Wenn Mitarbeiter an ihr Unternehmen emotional kaum noch gebunden sind, dann steht dies vor allem in direktem Zusammenhang mit der Führungskompetenz. Stimmt die nicht, ergibt sich daraus für deutsche Unternehmen ein volkswirtschaftlicher Schaden, der sich jährlich - laut der aktuellen Gallup-Studie - auf 105 Milliarden Euro beläuft.

Die Kriegsenkel kämpfen mit der sicherheitsfreien Zone

70 Prozent der Wechselwilligen aus der Gallup-Studie geben massive Führungsfehler als Kündigungsgrund an, doch auch das einzelne Unvermögen, die eigene Persönlichkeit nicht gewinnbringend auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren, spielt eine mächtige Rolle. Genauso wichtig erscheint es mir deshalb, dass wir unsere Prägungen hinterfragen, denn sie stimmen mit unseren heutigen Lebensrealitäten und Herausforderungen nicht mehr überein.

Die Generation der heute 40- bis 60-Jährigen sind von einer Kriegsgeneration (Eltern und Großeltern) geprägt und erzogen worden. Meine Arbeit mit Sinnsuchenden aus jener Generation der Kriegsenkel, zeigt mir deutliche Übereinstimmungen auf.

Bei allen steht beispielsweise der Wert Sicherheit ohne Wenn und Aber ganz oben auf der persönlichen Agenda. So lässt sich jedoch kein notwendiger Mut für den persönlichen Change-Prozess entwickeln, um endlich zu der authentischen Person zu werden, die längst in einem steckt. Der Geschichte unserer Großeltern und Eltern müssen wir uns daher als Sinnsuchende viel stärker bewusst werden, denn deren Kriegs- und Nachkriegserfahrung beeinflusst nach wie vor die eigene berufliche Entscheidung. Die Weitergabe von unverarbeiteten Belastungen an die nachkommenden Generationen ist durch die Traumaforschung längst nachgewiesen, findet nur viel zu selten die nötige Beachtung.

MINT-Berufe sorgen für vermeintliche Sicherheit

Darüber hinaus hat der Wert Sicherheit unter den heutigen Rahmenbedingungen nur noch wenig Bestand, schließlich gehört es zu den täglichen Eindrücken unserer heutigen Zeit, dass eben nichts mehr sicher ist. Begriffe wie

  • „Industrie 4.0“ und
  • „digitale Transformation“

machen stattdessen die Runde und werfen viele Fragezeichen auf. Die Megatrends der Zukunft werden u. a. für folgendes Szenario verantwortlich gemacht: Bis zum Jahre 2020 werden nach aktuellen Prognosen (das sind genau noch drei Jahre!) etwa sieben Millionen Jobs in den Industrieländern verloren gehen. Dabei soll vor allem Deutschland besonders hart von diesem Wandel betroffen sein.

Hierbei sind nicht wirklich die Produktionsstraßen der großen Konzerne gemeint, denn dort ist dieser Trend längst in vollem Gange. Nein, es soll überwiegend weibliche Arbeitskräfte treffen, denn deren Ausbildungswege unterscheiden sich erheblich zu denen ihrer männlichen Kollegen.

Am sichersten gelten die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), also Berufssparten, in denen selten Frauen tätig sind. Die Roboter übernehmen stattdessen in den von Frauen dominierten Büro- und Verwaltungsbereichen immer mehr Routine-Arbeiten und befördern demzufolge eine Menge Jobs auf den Müllhaufen der Geschichte.

Ohne die Beantwortung des eigenen WARUM ergibt sich kein Sinn

Dass sich unsere Arbeitswelt in einem gehörigen Umbruch befindet ist nicht mehr zu übersehen, doch dass sich im gleichen Atemzug immer mehr Menschen fehl am Arbeitsplatz fühlen, ist eine weitere Dimension, die noch gar nicht genau beziffert werden kann. Übrigens längst nicht jeder, der sich fehl am Platz fühlt, müsste seinen Arbeitgeber wechseln, gäbe es Vorgesetzte, die Potenziale von Mitarbeitern tatsächlich entwickeln und ihrem Führungsauftrag damit gerecht würden.

Wer sein eigens WARUM nicht kennt, kann auch nicht klar formulieren, wofür und für wen man an seinem Arbeitsplatz wirkt. Genauso schwer fällt es dann, den Sinn seiner Arbeit zu erkennen. Was aber auch darauf hindeutet, dass es Führungskräften nach wie vor nicht gelingt, die Unternehmensziele und den Unternehmenssinn eindeutig zu definieren, transparent zu machen und mit dem persönlichen Sinnempfinden und Talent jedes Teammitglieds abzustimmen.

Sinndefizite und Sinnverluste sind vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen:

  1. Sinnentleerte, falsche und überzogene Erwartungen an die Arbeitsstelle bzw. den Arbeitgeber sowie
  2. dem Sinn zuwider gehende Rahmenbedingungen in menschenunwürdigen Unternehmenskulturen.

Da das Sinnerleben immer das Verwirklichen von persönlichen Werten bedeutet, spielt die individuelle Persönlichkeit eine sehr große Rolle, um motiviert bei der Arbeit zu sein. Ist die eigene Persönlichkeit, demnach die eigene Wertevorstellung jedoch gar nicht bekannt, irrt der Einzelne orientierungslos umher und kann keine für sich richtigen Entscheidungen treffen – „kündigen oder bleiben?“ wäre eine davon.

Veraltete Rollenbilder fallen vor allem Frauen auf die Füße

Meine Coaching-Realität zeigt mir ganz klar auf, dass sich vor allem Frauen aus dem alten Korsett einer verfehlten Berufswahl und festgefahrener, traditioneller Rollenbilder herausschälen wollen. Besser gestern als heute. In der Vergangenheit wurde viel zu selten gefragt, was Menschen grundsätzlich brauchen, um ihr Arbeits- und Privatleben zum Gelingen zu bringen. Jene wechselwilligen Frauen stellen sich aber immer häufiger genau diese Fragen und sind vermehrt auf der Suche nach klarer Orientierung, wo die Reise hingehen soll.

Sie haben es satt, dass überwiegend Väter, Partner oder Chefs ihnen vorkauen, was gut und richtig für sie wäre. Außerdem erleben sie gerade, wie es sich anfühlt, wenn man das Leben der anderen lebt und nur auf kritiklose Anpassung gedrillt wurde. Das Abenteuer mit dem eigenen Spiegelbild beginnt beim Entdecken der eigenen Stärken, den eigenen Werten und den bereits erreichten Erfolgen.

Den richtigen Beruf finden heißt bei sich selbst ankommen

Ein erfolgreicher Jobwechsel gelingt deshalb nur dem, der seine Werte kennt und weiß, welches Sinnbedürfnis dahinter steht. Es braucht in jedem Falle immer die sogenannte intrinsische Motivation, also jene, die von innen kommt und ganz individuell ausfällt.

Wichtig ist deshalb genau herauszufinden, weshalb man wechseln will und wie man sich beim neuen Arbeitgeber mit all seinen Werten am sinnvollsten einbringen könnte. Jene Überlegungen sind zudem auch mit den Unternehmenszielen des zukünftigen Arbeitgebers abzugleichen, um schnell integriert zu werden und an einem Strang mit Kollegen und Vorgesetzten zu ziehen. Das gleiche gilt bei der Frage, ob man zukünftig selbständig tätig werden soll.

Folgende drei Fragen helfen Ihnen bei der Suche nach Ihrem WARUM:

  • Worin bin ich aufgrund meiner einzigartigen Fähigkeiten gut?
  • Womit kann ich andere, meinen Arbeitgeber oder den Markt bereichern?
  • Womit kann ich wem dienen, um Sinnspuren zu hinterlassen?

Fazit

Da Werte die Grundlage unserer einzigartigen Persönlichkeit offenbaren und dazu helfen, dass wir nicht nur authentisch sondern auch ausgeglichen leben, führt dieser Zusammenhang zwangsläufig zu größtmöglicher physischer wie psychischer Gesundheit. Deshalb ist es erstrebenswert, sich an den eigenen Bedürfnissen, Zielen und Visionen zu orientieren, anstatt sich von den vielen Heilsbringern unserer Zeit abhängig zu machen. Die wichtigsten Ressourcen, um Regisseur im eigenen Lebensfilm zu werden, liegen längst in uns. Nutzen wir sie endlich zum eigenen und zum Wohle anderer.

Der erfüllende Beruf hängt maßgeblich mit unserem Selbst zusammen und damit liegt das Gute ganz nah. Die Vorstellung mit sich selbst vertraut und im Einklang zu sein, scheint Sinnsuchenden oft unerreichbar, doch wer seinem inneren Licht folgt, seine Wertvorstellungen kennt und lebt, macht sich und das Unternehmen, für welches er tätig ist, erfolgreicher und zufriedener.

Auf der Suche nach Sinnerfüllung, Lebensqualität, Gesundheit und Erfolg im Leben, müssen Sie eine neue Haltung entwickeln, welche wiederum auf Ihren (neu entwickelten) Werten basiert. Wie in der Natur heißt es folglich, erst säen, dann ernten – so kann wohltuende Veränderung gelingen.

Machen Sie sich daher immer bewusst: Menschen sind ersetzbar, Persönlichkeiten jedoch nie!

Verabschieden möchte ich mich mit einem wunderbaren Zitat von George Bernhard Shaw (1856-1950), irischer Nobelpreisträger für Literatur:

 

Man gibt immer den Verhältnissen die Schuld für das, was man ist.

Ich glaube nicht an die Verhältnisse.

Diejenigen, die in der Welt vorankommen, gehen hin

und suchen sich die Verhältnisse, die sie wollen

und wenn sie sie nicht finden können, schaffen sie sie selbst.

 

Mit inspirierenden Grüßen aus München,

Ihre Franziska Ambacher

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