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Franziska Ambacher
Persönlichkeits- und Business-Coach
Changemanagement-Consultant
Mediatorin
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25.10.2017

Unheil auf der Chefetage - narzisstische Führungskräfte sind auf dem Vormarsch

 

 "Der narzisstische Mensch verkörpert das, was der Durchschnittsmensch gerne wäre:

Er ist selbstsicher, kennt keine Zweifel, fühlt sich jeder Situation gewachsen.“

(Erich Fromm, 1900 - 1980, deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe, aus: "Die Karft der Liebe")

 

In vielen Coachings sitzen mir Menschen gegenüber, die Hals über Kopf, also ohne jede neue berufliche Aussicht, ihren aktuellen Arbeitgeber verlassen wollen oder längst gekündigt haben. Was anfänglich der Job fürs Leben war, entpuppte sich als quälender Leidensdruck.

Ihre ursprüngliche Motivation und die Hoffnung, es möge sich doch noch etwas an der Chef-Mitarbeiter-Beziehung verändern, haben sie längst begraben. Alles scheint besser, als nur einen einzigen weiteren Tag im Unternehmen bleiben zu müssen.

Vom Widerspruch zur Klarheit

Bei näheren Rückfragen können Betroffene oftmals gar nicht genau in Worte fassen, warum sie sich zwar so schnell wie möglich eine berufliche Neuorientierung wünschen, sich aber im gleichen Atemzug weiter für ihren Vorgesetzten und die Geschicke vor Ort verantwortlich fühlen.

Diese Gefühlslage ist nicht paradox, sie stellt eine lupenreine Abhängigkeit zu einem Menschen dar, dessen Persönlichkeitsstörung der Narzissmus ist.

Vom Anspruch zur Realität

In vielen Unternehmen sind Narzissten auf dem Vormarsch und bei genauerem Hinsehen, wie sich die Welt auch außerhalb der Werkstore verändert hat, scheint es kein Entrinnen zu geben.

Wir befinden uns inmitten eines großen gesellschaftlichen Wertewandels. Immer mehr Menschen sehen nur noch auf sich und werden von allen Seiten genau darin bestärkt, nach Ellbogenmanier möglichst durchsetzungsstark und egoistisch ausschließlich die eigenen Interessen zu vertreten. Komme da was wolle – ohne Rücksicht auf Verluste. Eine Ego-Gesellschaft breitet sich allerorts aus, die auch in politischen Strömungen beispielsweise als „America first“ wieder zu finden ist. Warum also sollte es in Unternehmen anders sein? Jede Organisation ist schließlich nur das Abbild der Gesellschaft, aus der ihre Mitglieder stammen.

Vom Leistungsträger zum Wrack

Die stetig ansteigende Zahl an Narzissten in den Chefetagen macht aus leistungsbereiten und hochmotivierten Mitarbeitern im Laufe der Unternehmenszugehörigkeit echte seelische Wracks. So sitzen diese dann vor mir, wissen nicht mehr weiter und sind von Selbstzweifeln zerfressen.

Wenn narzisstische Chefs wertvolle Mitarbeiter vergraulen, weil sie von niemanden gebremst wie die Axt im Walde um sich schlagen, braucht es solides Wissen und eine klare Haltung, um nicht mit unterzugehen.

Dies betrifft im Übrigen nicht nur jene Mitarbeiter, die das Weite suchen, sondern auch Inhaber und Hauptentscheider eines Unternehmens. Wer die betriebswirtschaftliche und personelle Verantwortung in Hände von Führungskräften gibt, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung aufweisen, verspielt früher oder später alle Kapital- und Imagereserven. Niemand kann es sich in hart umkämpften Märkten leisten, Narzissten empor kommen zu lassen, weil diese nur für Angst- und Misstrauenskulturen verantwortlich zeichnen, nicht jedoch für ein sozial kompetentes und produktives Miteinander.

Vom Warum zum Wie

Laut diverser Studien rechnet man aktuell mit etwa zehn Prozent Psychopathen und einer nicht benennbaren Dunkelziffer an narzisstischen Persönlichkeitsstörungen in gehobenen Führungspositionen. Die Wahrscheinlichkeit also auf der Chefetage solch Vorgesetzten zu begegnen, ist demzufolge vier bis sechsmal höher ausgeprägt, als dies im Alltag üblicher Weise der Fall wäre.

Warum genau die narzisstische Persönlichkeitsstörung so unaufhaltsam in die Chefetagen vordringt, liegt auf der Hand:

Narzissten sind in der Lage unheimlich charmant auf andere Menschen zuzugehen, sie wickeln sie förmlich um den Finger und niemand würde in der Anfangszeit des Miteinanders nur im Ansatz daran denken, dass man es mit einer (selbst-)zerstörerischen Maschine zu tun hat, die keine Rücksicht, kein Mitleid und schon gar keine Empathie für Mitarbeiter, Kollegen und Kunden aufbringt.

Genau jene oben beschriebenen Persönlichkeiten werden in fast allen Unternehmen ganz bewusst gefördert, weil sie es verstehen, ihr wahres Ich gut zu verstecken und allen Beteiligten das willkommene Gefühl geben, immer alles im Griff zu haben. Leider ist jedoch das krasse Gegenteil der Fall.

Experten sagen, dass sobald ein Mensch dieser Persönlichkeitsausprägung einen gewissen Grad an Macht erreicht hat, gibt es am Ende nur Verlierer. Deshalb ist es wichtig sich selbst schleunigst in Sicherheit vor dem Abgrund zu bringen und im Umgang mit diesen Menschen eine klare Haltung an den Tag zu legen. Eines darf im Sinne des Selbstschutzes auf keinen Fall geschehen: ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis.

Vom Fachkräftemangel zur Nabelschau

Der oft beschworene Mangel an Fachkräften ist demnach aus meiner Erfahrung heraus vor allem eines, er ist hausgemacht. Die vorherrschende Narzissmus-freundliche Führungskultur entscheidet alleinig darüber, ob die steigende Mitarbeiterfluktuation Konsequenzen nach sich zieht oder einfach weiter verbrannte Erde hinterlassen werden darf. Bis Unternehmensentscheider keine klare Haltung dazu entwickelt haben, ziehen weiter Heerscharen von Leistungsträgern wie eine Karawane weiter und alle schauen zu, als wäre es das normalste der Welt.

Dieser menschenverachtende Umgang, zerstört jedes Betriebsklima und führt unweigerlich zu Mobbing, Bossing und Kündigungen am laufenden Band. Das narzisstische Verhaltensmuster dreht sich stets nur um den eigenen Vorteil, ganz egal wer oder was dabei über die Wupper gehen muss. Weiter weg von Augenhöhe kann man gar nicht mehr sein.

Vom High- zum Low-Performer

Im Fokus des Narziss steht der unbedingte Wille zum beruflichen Erfolg, die Ausbeutung der eigenen Person wie die der Mitarbeiter und das Erreichen der ureigenen Zielsetzungen.

Angetrieben davon, eine innere Leere zu füllen und das wenig ausgebildete Selbstbewusstsein wenigstens ein klein wenig zu befeuern, sind sie selbst bereit durchs Feuer zu gehen, verlangen es aber von jedem anderen um sie herum ebenso. Burnout, Nervenzusammenbrüche und Panikattacken in deren Teams sind demnach keine Seltenheit.

Weil sie aber gegenüber deren Vorgesetzten, Hauptentscheidern oder Firmeninhabern als fleißig, diszipliniert, durchsetzungsstark und höchst engagiert gelten, verteidigt man ihren rigiden Führungsstil und katapultiert sie weiter in höchste Chef-Weihen. Im Bagatell-Modus fallen dann Sätze wie: „Ist doch toll, wenn einer die Firmeninteressen durchzusetzen versteht“ oder „Wer Mitarbeiter nicht manipulieren kann, darf nicht Chef werden“. In reinen leistungs- und profitorientierten Unternehmenskulturen finden sich daher häufig Karrieremacher dieser ganz eigenen Spezies wieder.

Vom Ahnungslosen zum Wissenden

Um in solchen Lose-Lose-Situationen nicht untergehen zu müssen, ist es wichtig, frühzeitig zu erkennen, mit wem man es am Arbeitsplatz zu tun hat. Lassen Sie es niemals soweit kommen, denn es gibt genügend Merkmale, die Sie dazu führen sollten, dem Narzissmus-Braten nicht zu trauen. Folgende Verhaltensweisen sind typisch für Narzissten:

  • Ständig unberechenbares und schnelles Aufbrausen
  • Mangelnde bis fehlende Kritikfähigkeit
  • Prahlt mit seiner Überlegenheit, hält häufig andere für dumm
  • Übersteigerte Selbstverliebtheit, die sich häufig in langen Monologen ausdrückt
  • Ausgeprägtes Misstrauen gegenüber jedem und allem
  • Umgibt sich gerne mit Statussymbolen, um sein mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensieren
  • Zeichnet ein perfektes Bild von sich und seinem Leben
  • Perfektionistische Erwartungshaltung an sich und alle anderen
  • Dürstet nach ständiger Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob
  • Hohes Aggressionspotenzial und extrem dominantes Auftreten
  • Instrumentalisiert andere für sein eigenes Wohlbefinden
  • Demütigung anderer Unternehmensmitglieder vor deren Team
  • Charmante Manipulationstechniken, die lange nicht als solche erkannt werden
  • Ausgeprägte Risikobereitschaft gepaart mit mangelndem Verantwortungsbewusstsein
  • Wenig Sinn für das gute Maß und jegliche Verhältnismäßigkeiten
  • Gefühlskälte bzw. Empathielosigkeit und selten offene Gespräche über eigene Emotionen
  • Herrschsüchtige und massiv verletzende Verhaltensweisen
  • Externe Schuld- und Fehlerzuweisungen
  • Immerwährende On- und Offline-Bereitschaft
  • Mobbing- und Bossing-Tendenzen, denn es darf nur einen „Könner“ geben
  • Übergriffig bis hin zu Stalking-Methoden
  • Süchtig nach Applaus und Scheinwerferlicht, gerade weil dessen Geltungsdrang nie gestillt werden kann

Um jene Chefs besser zu erkennen, braucht es nicht nur solides Wissen um diese Persönlichkeitsstörung, sondern vor allem die innere Entscheidung, ob Sie es sich wirklich  „wert“ sein wollen, unter tickenden Zeitbomben zu arbeiten. Davon ab, dass Sie immer nur die zweite, wenn nicht sogar dritte Geige spielen und gehemmt durch den Vorgesetzten das eigene Talent nie wirklich ausleben werden.

Vom Umgang zum Weggang

Nun gibt es viele gut gemeinte Ratschläge, wie sich Mitarbeiter unter solch fehlgeleiteten Managementstrukturen am besten verhalten sollten:

Da heißt es lapidar, dem Narzissten möglichst oft aus dem Weg zu gehen. Keine Emotionen zu zeigen und ein Pokerface aufzusetzen. Man möge außerdem keine Schwäche zeigen, nichts persönlich nehmen und stets in der Lage sein, Grenzen zu ziehen. Sollten die Konflikte eskalieren, folgt die Empfehlung, sich gemeinsam mit Kollegen zu solidarisieren, um beim Betriebsrat und der Personalabteilung gemeinsam um Hilfe zu bitten.

Doch eben genau jene Institutionen innerhalb eines Unternehmens werden einen Teufel tun, diese Führungspersonen ihrer Macht zu entheben, denn sie sind ihnen längst selbst auf den Leim gegangen und sie sind Teil einer Unternehmenskultur, in der es üblich ist wegzusehen, weil tatsächlich nur Unternehmenszahlen und Renditemöglichkeiten interessieren.

Aus meiner eigenen Erfahrung sowohl im Angestelltenverhältnis als Führungskraft als auch als Coach auf Topmanagement-Level kann ich nur eine wirklich gute Empfehlung aussprechen:

Treten Sie den Rückzug an, je schneller, je besser.

Narzissten werden sich nicht ändern, selbst wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Begraben Sie die langgehegte Hoffnung, es könnte noch einen Ausweg aus dem Dilemma geben, denn Sie sind längst Ihrer eigenen Persönlichkeit beraubt worden.

Es bleibt Ihnen nur die Suche nach dem richtigen Fahrwasser, einem Arbeitsplatz, einer Umgebung, wo Sie sich entsprechend gefördert und gefordert fühlen, wo Sie wieder Lust haben viel zu bewegen und das Miteinander nicht auf emotionalen Abhängigkeiten und (Selbst)-Ausbeutung aufbaut. Demzufolge der Gegenentwurf einer Führungskultur, die Menschen nur als zu vernutzendes Rädchen im System begreift.

Von Reflexion zur Perspektive

In persönlich desolaten Zuständen, wie viele meiner betroffenen Kunden vor mir sitzen, ist es erst einmal nötig Abstand zu gewinnen, alle Ereignisse zu verarbeiten und seine Wunden zu lecken. Dabei hilft die Reflexion, wie viel Anteil der narzisstischen Persönlichkeitsstruktur in der eigenen Herkunftsfamilie vorzufinden war oder weshalb man sich hat so leicht in den Sumpf der Ohnmacht hat ziehen lassen. Die gesunde Eigenverantwortung ist an einem ganz bestimmten Punkt im Leben nicht aktiviert worden – auf die Gefahr hin mit dem Narzisst unterzugehen.

Die Zusammenarbeit mit Narzissten hinterlässt starke Eindrücke und macht etwas mit Menschen. Das inzwischen zerstörte Selbstbewusstsein, die Unfähigkeit die eigene Leistung zu erkennen und zu würdigen, hat sie zu Abhängigen gemacht. Lang genug hat man ihnen ja eingetrichtert, dass sie ohne deren gottgleichen Vorgesetzten eine Null im Unternehmen, ja im ganzen Leben wären. Solch subtile Machtstrukturen müssen erkannt und beendet werden, sonst bedroht diese unausweichliche Arbeitssituation erheblich das ganze Dasein – persönlich wie unternehmerisch.

Von Handlungsunfähigkeit zur Aktivität

Wer jetzt – auch gerne mit professioneller Hilfe durch einen Therapeuten und/oder Coach – wieder Neuland gewinnen will, braucht ein Investment in einen unerschütterlichen Glauben an sich selbst, den Zugang zum eigenen Wachstumspotenzial und attraktive Perspektiven fürs Neue.

Marionettenhaftes und unterwürfiges Dasein war gestern, heute und morgen nehmen Sie Ihr Leben selbst in die Hand. Jetzt reift der Gedanke, dass die gemachten Erfahrungen rückwirkend betrachtet als echter Segen erscheinen. Nur wer durch dieses Tal der Tränen hindurch gekommen ist, weil er aktiv an seinen eigenen Lebensmustern arbeitet, erklimmt wieder hohe Berge.

Wie auf einer Bergtour ist es daher ratsam für den Neuanfang genau zu wissen, mit welchen Trümpfen im Rucksack die Reise zur eigenen starken Persönlichkeit starten kann, damit am Ende ein selbstbestimmter und glücklicher Mensch seine Berufung lebt.

Vom Beruf zum Privatleben

Abschließend möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass alle oben aufgeführten Inhalte genauso zutreffen, wenn es sich um eine nicht berufliche narzisstische Beziehung handelt.

Menschen zum Beispiel in einer Partnerschaft, die mit dem Umstand schwer zurechtkommen, dass der geliebte Mensch an ihrer Seite vor allem das ICH gegenüber dem WIR bevorzugt, sind gut beraten, sich anders zu orientieren.

Natürlich gibt es verschieden starke Ausprägungen von Narzissmus, doch sobald die oben aufgeführten typischen Verhaltensweisen überhand nehmen und der Leidensdruck stärker wird, ist es Zeit sich aus dieser Verbindung zu lösen.

Ein Narzisst wird die Dinge, die für eine glückliche Beziehung nötig sind, niemals leben. Demnach kann man nicht von einer echten Liebesbeziehung auf Augenhöhe sprechen. Krankhafte Narzissten leben Antiwerte wie Selbstbezogenheit, Egoismus und Respektlosigkeit. Eine gleichberechtige Partnerschaft wird so nie gelingen, da ein stark ausgeprägter Narzissmus nicht therapierbar ist.

Nun wünsche ich Ihnen allzeit die Fähigkeit, ein feines Gespür zu entwickeln, wann es Zeit ist die Dinge hinzunehmen wie sie sind, sie andernfalls aktiv zu verändern oder wann Sie besser gleich Ihren Koffer packen sollten. Im besten Sinne: Alles Gute für Sie!

Mit inspirierenden Grüßen aus München!

Ihre Franziska Ambacher

changeify

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