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Franziska Ambacher
Persönlichkeits- und Business-Coach
Changemanagement-Consultant
Mediatorin
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29.07.2016

Kunst vs. Wirtschaft - neue Perspektiven schaffen Innovation

Einen Schritt zurück! Perspektivwechsel durch Wahrnehmung ODER "Ich lasse mir von der Realität doch nicht vorschreiben, was ich wahrnehme!"

Händeringend suchen Unternehmen nach Innovationen, die ihnen die Zukunft und damit das Überleben im Haifischbecken sichern. Es wird viel Geld in neue Anlagen, raffinierte digitale Tools und neue Strategien gepumpt. Doch die allerwichtigste Innovation ist die soziale. Auf sie kommt es maßgeblich an, um dem Wandel der Zeit gerecht zu werden. Allem voran steht unsere Wahrnehmungs- und Handlungsfähigkeit in einem ganz engen Bezug zueinander, weshalb wir durch diese die viel strapazierten Zentralwerte Kooperation, Respek, Vertrauen und Verantwortung erst zum Leben erwecken können.

Das eine kann ohne das andere nicht, deshalb führt uns ein Perspektivwechsel durch Wahrnehmung hin zu unserem persönlichen und unternehmerischen Erfolg. Wer mehr wahrnimmt als nur die reine Oberfläche, ist klar im Vorteil. Und wer möchte nicht mit seinen Ideen vorankommen?

Kunst vs. Wirtschaft

Künstler haben uns in diesem Kontext vieles voraus. Von ihnen können wir lernen, was das Essenzielle an der Wahrnehmung ist. Maler beispielsweise bilden ihre wahrgenommene Realität oder das darin liegende Verborgene ab und vermitteln uns viel mehr, als nur den sichtbaren Ausschnitt ihres Werkes. Wir selbst müssen täglich unsere Realität im Berufs-, Privat- und Gesellschaftsleben verstehen, um darauf adäquat reagieren und mit der Zeit gehen zu können. Nur so versetzen wir uns selbst in die Lage, souveräne und tragfähige Entscheidungen zu treffen und die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Und nur so, schaffen wir uns einen größtmöglichen Eindruck von dem, was um uns herum passiert.

Die aktuellen Zeiten sind aus vielen Gründen momentan sehr bewegt. Terror, Amok und gesellschaftlicher Wandel. Digitale Transformation oder Industrie 4.0 - all das fordert uns ständig heraus, Klarheit zu erhalten, eine eindeutige Haltung zu formulieren, Zusammenhänge zu begreifen und den Überblick dabei nie zu verlieren.

künstlerischer Blick 

Ein Perspektivwechsel ist in solchen Situationen immer willkommen. Er inspiriert uns, bringt uns auf andere Ideen und zeigt neue Lösungswege auf. Immer an der Stelle, wo wir stagnieren und nicht weiter wissen.

Künstler haben es perfektioniert, ihrem eigenen Schaffen mit permanenter Reflexion zu begegnen. Sie behalten den Überblick. Ein Maler beispielsweise tritt nach einigen Pinselstrichen ein Stück von der Leinwand zurück und betrachtet mit gebührendem Abstand und aus einer anderen Perspektive heraus, sein bis dahin geschaffenes Werk. Aus dieser Reflexion heraus findet er Antworten auf offene Fragen.

Fragen nach dem

  • „Braucht es noch was?“,
  • „Wie wirkt alles zusammen?“ oder
  • „Wo sollte ich eingreifen und Änderungen vornehmen?“.

Fragen nach

  • „Fällt mir noch etwas auf, was mir bisher nicht aufgefallen ist?“ oder
  • „Wie wirkt das Ganze von diesem Blickwinkel auf mich?“.

So entwickelt er nicht nur sein Kunstwerk weiter, sondern begibt sich gleichzeitig auch auf einen Selbst-Entwicklungsweg, denn Wahrnehmung kann nicht objektiv sein. Sie ist abhängig von den Reizen, die uns reizen – positiv oder negativ.

liebgewonnener Tunnelblick

Wann sind wir selbst das letzte Mal einen gehörigen Schritt zurück getreten und haben uns unsere Realität im Ganzen betrachtet? Solch ein Schritt ist äußerst anspruchsvoll, benötigt ständige Übung und erfordert Mut. Genau jene Werte, die wir aus dem unternehmerischen Kontext sehr gut kennen, doch oftmals viel zu sehr vernachlässigen. Wir befinden uns stattdessen in hektischen Momenten, in Situationen, die unseren Blick, unsere Wahrnehmung trüben, nehmen uns oft keine Zeit, gehen nicht in den Austausch mit anderen und entwickeln dadurch einen fast liebgewonnenen Tunnelblick. Letztlich erkennen wir nur, was wir erkennen wollen – wir sind es, die unseren Bildausschnitt selbst festlegen. Wie sagt der Volksmund so schön: „Ein Hamsterrad ist keine Karriereleiter.“

Gelingt es uns jedoch, jene von Künstlern gelebte Selbstverständlichkeit in unser tägliches Tun zu übertragen, dann schaffen wir die Grundvoraussetzung für wertvolle Weiterentwicklung, gelingende Beziehungen, einen objektiveren Blick und sinnvolle Innovationen. Also steht für unsere Orientierung in der Welt unser Sehsinn natürlich an erster Stelle: Wahrnehmungen benötigen jedoch grundsätzlich alle Sinne, die uns zur Verfügung stehen.

Sehvermögen reicht nicht aus

In der Vernetzung unserer vielfältigen Sinne sind uns Zusammenhänge möglich zu erkennen, die wir sonst nie erkannt hätten. Wenn wir jedoch Wahrnehmung mit dem reinen Sehen verwechseln, dann bleiben wir nur an der Oberfläch hängen, können also keine wirklichen Lösungen finden, tragfähige Entscheidungen fällen oder Einschätzungen treffen. Letztlich nehmen wir auf diese Weise nur einen sehr kleinen Ausschnitt, einen Bruchteil dessen wahr, was wir tatsächlich mit allen Sinnen erlebt haben. Umso wichtiger ist es, unsere Sinne zu schärfen. Unsere Mitmenschen, Familie, Angestellte, Kollegen, Vorgesetzte, Kunden, Lieferanten und Dienstleister werden es uns danken.

Im täglichen Kampf ums Überleben ist uns dies aber nur dann bewusst, wenn uns der am stärksten eingesetzte Sinn, das Sehen, plötzlich abhandenkommt:

Meine Mutter z. B. ist erblindet, so konnte ich in den letzten Jahren bei ihr gut beobachten, wie sehr sich die anderen Sinne wieder stärker ausgeprägt haben, um den verlorenen Sehsinn zu ersetzen. Und dabei erfuhr sie auf einmal viel mehr über ihre Umwelt, als dies früher mit gesunden Augen je möglich war. An ihrem Beispiel habe ich gelernt, dass das bewusste und vollumfängliche Wahrnehmen folgendes bedeutet:

  1. Ich agiere mit all meinen Sinnen.
  2. Ich blende in der Hinwendung auf das, was ich wahrnehme, nichts aus und bewerte die Informationen nicht zeitgleich.
  3. Spontane Sympathien und Antipathien reflektiere ich genau und achte darauf, dass diese meine Sinneseindrücke nicht verzerren.

Der bekannte österreichische Publizist Rudolf Steiner unterschied bereits 1916, durch die Kunst beeinflusst, zwölf verschiedene Sinne:

  • Tastsinn
  • Lebenssinn
  • Eigenbewegungssinn
  • Gleichgewichtssinn
  • Geruchssinn
  • Geschmackssinn
  • Sehsinn
  • Wärme- bzw. Temperatursinn
  • Gehörsinn
  • Wort- bzw. Sprachsinn
  • Gedanken- bzw. Vorstellungssinn
  • Ichsinn

Uns wird demnach deutlich, dass unsere Wahrnehmung von vielerlei Sinnen beeinflusst, gesteuert und gefiltert wird. Von unseren Gedanken und Gefühlen, sowie Sympathien und Antipathien sind wir daher nicht frei. Dies ist es, was uns im Alltag zu mehr oder weniger heftigen Reaktionen führt. Denn unser Emotionshaushalt ist Ausdruck unseres individuellen Wertegerüstes und damit unserer ureigenen Persönlichkeit.

Gewohnheiten und Glaubenssätze

Wenn ich z. B. ein ordnungsliebender und sehr strukturierter Mensch bin, werden mir Menschen ein Dorn im Auge sein, deren Schreibtische, Wohnungen oder Geschäftsauslagen nicht nach meiner Auffassung ausreichend sorgfältig sortiert und eingeräumt sind. Den Grund für diese Reaktionen ins Bewusstsein zu rufen, ist sehr wichtig beim Thema Wahrnehmung: Diese Reaktionen stoßen uns nämlich auf unsere alltäglichen Gewohnheiten und Glaubenssätze hin, die wir sonst kaum bewusst wahrnehmen würden.

Jetzt lernen wir uns wieder neu kennen und steigen noch tiefer in unser Ich-Verständnis ein. Jetzt wird uns klar, welche Werte für uns allgegenwärtig sind, welche wir als selbstverständlich leben und welche uns im Leben hilfreich, welche aber auch hinderlich für unser Fortkommen sind. Erst wenn wir unsere Erscheinung vollständig reflektieren und uns von außen, also mit dem Blick der anderen ansehen, bekommen wir einen realistischen Eindruck und können dann auch, sofern nötig, manches in die Veränderung bringen (Mimik, Gestik, Körperhaltung, Ausdruck).

„Die Gewohnheit ist das unbarmherzigste Gift,

weil sie sich ganz sanft und leise einschleicht.“

Wir müssen uns fragen, ob unsere gewohnte Persönlichkeit, unser Wertegerüst, überhaupt mit unseren aktuellen Herausforderungen zusammen passt? Denn alte Gewohnheiten zementieren nur unsere Vergangenheit. Sie taugen schlichtweg nicht für die Zukunft. In althergebrachten Führungsstrukturen waren die Verhältnisse ganz klar aufgeteilt. Der Chef hat das Sagen, er alleine entscheidet und als Mitarbeiter hat man der Erfüllungsgehilfe bei der Umsetzung seiner Ziele zu sein. In unseren gewandelten Zeiten steht eine neue Führungs- und Kompetenzkultur an erster Stelle: Größtmögliche Eigenverantwortung, demokratische Entscheidungen und agile Strukturen verändern unsere Welt eines klassischen Schwarz-Weiß-Denkens.

Blinde Flecken

Ohne einen selbstkritischen Blick auf uns, unsere Unternehmenskultur und unsere Anforderungen an die Zukunft, rückt unser Erfolg oft in weite Ferne. Bei der bewussten Wahrnehmung begeben wir uns auf eine imaginäre Reise. Auf eine Reise, die die sogenannten blinden Flecken deutlich macht, die vorher noch unsichtbar im Verborgenen lagen oder die wir bewusst ausgeblendet haben. Jene blinden Flecken, die natürlich jeder von uns hat. Denn jeder von uns nimmt ja auch an ein und demselben Punkt ganz Unterschiedliches wahr. Jeder von uns hat andere blinde Flecken.

Ob nun in der Mitarbeiter- & Führungskräfte-Entwicklung oder bei der Entwicklung unserer Persönlichkeit und unseres Unternehmens, immer geht es darum, den größten Hebel zu entdecken, wie wir für unseren Erfolg lernen können – also möglichst vieles um uns herum wahrnehmen. Gleiches gilt für die optimale Selbst- und Mitarbeiterführung. Daher müssen wir miteinander mehr in Kontakt treten und uns dialogisch vernetzen. Wir brauchen regelmäßig Austausch, um Erkenntnisse daraus auch im Alltag für uns nutzbar zu machen. Nur so gelingen uns Innovationen, bessere Ideen und das Ausleben des interkulturellen Faktors in Wirtschaft und Gesellschaft.

Brückenbauer braucht das Land

Wenn wir nicht endlich zu Brückenbauern werden, gelingt es uns nicht, die schwierigen Zeiten einzuordnen, uns von voreiligen Eindrücken nicht blenden zu lassen oder diese nicht zu missbrauchen, uns selbst oder andere zu manipulieren. Mit einem konzentrierten Zuhören lernen wir z. B. sowohl das Panorama unserer Sicht zu erweitern, als auch die Qualität unserer empathischen Wahrnehmung zu steigern. Menschen brauchen Menschlichkeit, um sich weiterentwickeln zu können. Vorurteile machen sich zusätzlich gerne breit, aber sie sind immer fehl am Platz, um die soziale Innovation zum Sprudeln zu bringen. Die Sozialkompetenz ist daher der wahre Schlüssel zum Erfolg:

Erst dann kann ich spüren, was zum Beispiel ein Mitarbeiter oder ein Kunde gerade dringend benötigt, was der Chef erwartet oder an welchem Punkt sich mein Lebenspartner gerade befindet. Wenn wir uns ihnen zuwenden, sie in ihrer Ganzheit wahrnehmen, gewinnen wir auf diese Weise Einblick in deren Persönlichkeiten, Gewohnheiten und Glaubenssätze, und zugleich bauen wir alte Vorurteile ab. Schließlich bemisst sich der Erfolg einer jeden Unternehmung nach seiner Beweglichkeit und Wahrnehmungsfähigkeit seiner Mitglieder. Täglich und auf allen Ebenen müssen sie unter Beweis stellen, in unruhigen Zeiten gewappnet zu sein.

Einen Schritt zurück

Ein wunderbares Bilderbuch vom ungarischen Grafiker Istvan Banyai mit dem Titel "Zoom" zeigt uns auf, wie wir den Abstand zu den Dingen herstellen können, um einen Perspektivwechsel hin zur ganzheitlichen Wahrnehmung herbeizuführen. Nur durch die Tatsache, dass wir aus unserem gewohnten Blickwinkel mindestens einen Schritt zurücktreten, erkennen wir plötzlich andere Zusammenhänge. Als Persönlichkeits- und Business-Coach nenne ich es den systemischen Blick.

Dem Autor gelingt es ohne Worte uns auf jene Reise zu uns selbst mitzunehmen. Seite um Seite stellen wir unsere bisherige Sicht der Dinge in Frage und werden ständig eines anderen belehrt, als wir ursprünglich zu glauben vermochten. Wenn wir als Betrachter unsere Wahrnehmung aus diesem wundervollen Bilderbuch, welches übrigens aus der Trauma- und Konflikttherapie stammt, auf unsere Mitmenschen übertragen könnten, so ließen sich viel gesündere Beziehungen zu anderen aufbauen und leben.

Wir sollten uns hüten, beim Anblick des anderen bereits alles meinen einordnen zu können, bevor wir nicht seine oder ihre Geschichte vollständig kennen. Mit Hilfe solch kreativer Methoden, wie beispielsweise dieses Buch, werden wir in die Lage versetzt, sofort und nachhaltig Veränderungen zu erzeugen,

  • um unser Unternehmen,
  • unser Personalmanagement und
  • unsere Führungs- und Selbstführungsstrategien zu bereichern.

Vordenken für morgen

Der deutsche Dichter und Philosoph Friedrich Nietzsche lehrte uns schon vor 150 Jahren, dass alles, was mit dem Prinzip des Perspektivwechsels erlebt wird, auf einem Lernen aus der Zukunft beruhen würde, also einem sogenannten VOR-denken. Nicht aus einem Lernen aus der Vergangenheit, dem uns allen vertrauten NACH-denken. VOR-denken ist Wagnis und unsicherer Raum und bedarf deshalb des Mutes zum ersten Schritt.

Seit heute wissen wir, dass das künstlerische und unternehmerische Handeln sich gegenseitig wunderbar befruchten. Deshalb – geben Sie niemals auf, bevor Sie nicht Ihren Blickwinkel zur scheinbar ausweglosen Situation geändert haben. Dies gelingt Dank vielfältiger neuer Inspirationen: Ob im Gespräch oder auf Reisen, in Museen oder beim Konzert. Ob Sie kochen oder lesen, ob inmitten der Natur oder beim Sport. Es steckt in all diesen Perspektiven viel mehr drin, als Sie vorher je vermutet haben. In diesem Sinne – auf eine neue und bereichernde Sicht unserer Realität.

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