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Franziska Ambacher
Persönlichkeits- und Business-Coach
Changemanagement-Consultant
Mediatorin
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09.12.2016

Eskalation unter dem Weihnachtsbaum

Seit zwei, drei Wochen ist in meiner Coachingpraxis etwas anders…

Kunden kommen stöhnend zu Beginn der Coachingsitzung zum Einzelgespräch, werfen ihre Mäntel kurz hinter sich und noch bevor sie wirklich sitzen, beginnen sie aufgewühlt von ein und demselben Thema zu sprechen. So als hätten sie sich alle untereinander abgesprochen.

Es ist das nahende Weihnachtsfest, das ihnen beängstigend zusetzt. Alle Jahre wieder muss es perfekt werden und nichts, aber auch rein gar nichts darf dem Zufall überlassen sein. Die meisten berichten davon, dass ihnen vor den vielen Familienbesuchen und den möglichen Konflikten schon Angst und Bange ist. Zusätzlich ist die Fahrerei nicht nur stressig für alle Beteiligten, sondern kaum angekommen, hält diese sogenannte „stade Zeit“ auch was die Metapher verspricht: es folgt eine schwerfällige Kommunikation untereinander.

Anspruch und Wirklichkeit

Häufig hat man sich ein ganzes Jahr hindurch schon wenig zu sagen und nun unterm leuchtenden Weihnachtsbaum soll es besonders friedvoll zugehen. Wenigstens nur dieses eine Mal, das kann doch nicht zu viel verlangt sein!

Die Weihnachtsfeiertage können sich unter solchen unharmonischen Umständen schon einmal hinziehen wie Kaugummi, denn süßer die Glocken nie klingen. Wenn dann noch die Angst vor aufkommenden Konflikten das Fest trübt, fühlt sich jeder inmitten des berühmten Spagats zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Viele offene Rechnungen

In den weiteren Kundengesprächen wird schnell deutlich, dass es in den Familien nach wie vor viele offene Rechnungen gibt, lang zurückliegende Verletzungen und nie ausgesprochene Bedürfnisse – auf beiden Seiten.

In meiner Eigenschaft als Mediatorin möchte ich Ihnen deshalb in diesem Blogartikel einige meiner Tipps mit auf den Weg geben, wie Sie gelassener und souveräner durch Ihre Weihnachtsfeiertage kommen.

Denken Sie einmal zurück und erinnern Sie sich an den letzten handfesten Streit, den Sie zu solchen Familienfesten selbst erleben mussten. Sicherlich fällt Ihnen sofort ein, dass jeder Konflikt, also auch Ihrer, eine längere Entwicklungsphase hinter sich hat, bevor er vollends ausgebrochen ist.

Da gibt es auf beiden Seiten unterschiedliche Ziele, Interessen, Wertvorstellungen und gedachte wie gefühlte Begrenzungen. Wenn sich langsam etwas zusammenbraut, dann können wir in unser aller Gesprächsverhalten folgende vier Verhaltensweisen beobachten:

Fallstricke im Alltag

  1. Bagatellisieren (egal, was das Gegenüber auch sagt, die Inhalte werden heruntergespielt)
  2. Diagnostizieren (egal, worum es geht, einer spielt sich immer als ausgewiesener Fachmann auf und bekundet häufig sein Schubladen-Denken damit)
  3. Moralisieren (der sonst nahe Grundsatz, auf alle Wertungen zu verzichten, wird an den hohen Feiertagen gerne einmal ignoriert)
  4. Intellektualisieren (je höher aufgehängt ein Thema ist, desto mehr wird die persönliche Beziehungsebene vernachlässigt, dabei ist sie wichtig, um den Gesprächspartner besser zu integrieren)

Wenn Sie sich selbst nur diese vier Punkte zu Herzen nehmen, werden Sie Ihr Gegenüber viel entspannter und zugewandter erleben. Der dann aufkommende Kommunikationsfluss ist für beide Seiten beutungsvoll und wohltuend.

Du und Ich

Zusätzlich gibt es viele weitere praktikable Lösungen, wie Sie Präventionsarbeit leisten können, damit Sie weiterführende Eskalationsstufen eines ausgewachsenen Streits vermeiden können:

  • Senden Sie Ich-Botschaften aus und wählen Sie einen angemessenen Ton.
  • Verstecken Sie sich im Gespräch nicht hinter anderen Personen.
  • Vermeiden Sie Anklagen, wie „Du bist…“ oder „Du hast…“.
  • Teilen Sie mit, wenn Sie etwas nicht verstanden haben, um mehr Empathie herzustellen.
  • Lösen Sie sich von der Vorstellung, immer alles gemeinsam unternehmen zu müssen.
  • Akzeptieren Sie die Aussagen aller Familienmitglieder, bewerten Sie diese aber nicht.
  • Bleiben Sie im aktuellen Geschehen und kommen Sie nicht auf die ungeliebten Geschichten von früher zu sprechen.
  • Geben Sie auch Ihren Gästen kleine Aufgaben im Haushalt, so dass sich jeder gebraucht fühlt. Oder fragen Sie als Gast im fremden Haus, wie Sie sich zum Gelingen des Großen Ganzen einbringen dürften.
  • Achten und schonen Sie die verletzlichen Seiten aller Beteiligten im Gespräch.
  • Schonen Sie auch sich selbst, d. h. suchen Sie ab und zu einen anderen Raum auf, nur um etwas Abstand und Ruhe zu gewinnen.
  • Fallen Sie Ihrem Gesprächspartner nicht ins Wort, lassen Sie ihn ausreden, fordern Sie aber dies auch ggf. vom Gegenüber ein.
  • Unterlassen Sie Beschimpfungen, da diese nur kränken und vom Thema ablenken.
  • Streben Sie Ergebnisse an, zu denen alle Gesprächsparteien innerlich JA sagen, so dass ein gesunder Konsens gefunden werden kann.

Das innere Licht

Nur wer beginnt sein Kommunikationsverhalten selbst zu hinterfragen und neu zu gestalten, ist in der Lage, gelassener durch die erwartungsvollen Weihnachstage zu kommen. Womöglich warten Sie sonst nur vergebens auf die Veränderungsbereitschaft des anderen. Demnach ist es besser bei sich selbst zu beginnen.

Erst, wenn wir selbst unser inneres Licht angezündet haben, strahlt es auch nach außen ab.

Erst, wenn wir selbst begriffen haben, dass es an uns liegt, wie sich die Kommunikation entwickelt, lässt sich das Miteinander wohlwollend gestalten.

Erst, wenn wir uns ernsthaft von Mensch zu Mensch verbinden, erreichen wir die Herzen der anderen.

Fazit

Natürlich geht es mir nicht darum, Sie davon überzeugen zu wollen jeden Konflikt grundsätzlich zu vermeiden, sondern darum, Sie zu sensibilisieren, aufkommende Streitigkeiten zukünftig konstruktiv zu führen, damit sich Ihr Weihnachtsfest nicht zu unüberwindbaren Fronten entwickelt. Jede Auseinandersetzung kann Triebkraft Ihrer eigenen Entwicklung sein und deshalb manchmal auch von Nöten.

Schließlich zeigen uns Konflikte, wo wir aktuell stehen und wie wir momentan mit unseren Bedürfnissen und denen des Gegenübers umgehen. Sozusagen wie ein STOP-Schild im Straßenverkehr. Bleiben wir nicht sofort stehen und überprüfen die Lage, werden wir unweigerlich in einen heftigen Crash geraten müssen.

Abschließend wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit und ein friedvolles Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben. Denken Sie zukünftig beim Schein einer Kerze an Ihr inneres Licht und geben Sie anderen die Chance, sich daran zu wärmen – nicht nur zur Winterszeit.

Ihre Franziska Ambacher

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